Interview mit Anita Weyermann

3. Januar 2018

Vor 20 Jahren hat Anita Weyermann den grössten Erfolg in ihrer Karriere erlebt und an den Weltmeisterschaften in Athen die Bronzemedaille über 1500 Meter gewonnen. Heute ist die Bernerin vierfache Mutter und immer noch schnell unterwegs: Anfang November hat die 40-jährige an der GurtenClassic alle hinter sich gelassen!
 
Sobald eine Startnummer an deiner Brust hängt, bist du wieder im Rennfieber und gewinnst sogar Rennen. Wie sieht dein Alltag heute aus?

Kein Tag ist wie der andere und wird abgesehen von den 1-2 Tagen pro Woche, die ich als Radioredaktorin oder selbständig als Privatcoach arbeite, durch meine Kinder bestimmt. Dabei bewegen wir uns bei jedem Wetter draussen und entdecken die Welt, was mir sehr gut gefällt.

Mein persönliches Training absolviere ich, während die Kinder im Kinderhort sind, oder auf dem Hometrainer, wenn sie im Garten spielen. Immer mehr ist es auch möglich, mit ihnen zusammen Sport zu treiben: Wir schlittschuhlaufen, wandern, fahren Ski oder sind mit den Fahrrädern unterwegs.

Abends ist für mich in der Regel Erholung angesagt.

Du bietest seit mehreren Jahren Laufkurse, -wochen und Privatcoaching an. Welches sind deine Trainingsprinzipien?

Über allem steht die Freude an dem, was man macht. Weiter erachte ich die folgenden Punkte als entscheidend:

  • Regelmässigkeit: Wer sportliche Ziele verfolgt, sollte mindestens zwei Mal pro Woche trainieren. 
  • Variation: Wer schneller werden will, muss sein Training variieren und nicht immer die gleiche Strecke mit dem gleichen Tempo laufen.
  • Intensität: Wer wirklich schneller werden will, muss bereit sein, die Komfortzone zu verlassen.
  • Erholung: Wer trainiert, muss sich danach erholen, damit das Training überhaupt seine Wirkung entfaltet.
  • Periodisierung: Trainingspausen und lockere Wochen sind einzustreuen, damit langfristig trainiert und Fortschritte erzielt werden können. Länger als 4 Wochen sollte jedoch eine Trainingspause nicht dauern.
  • Tapering: Vor einem Rennen muss das Training heruntergefahren werden, damit das Maximum herausgeholt werden kann.

Vor 10 Jahren hast du deine beeindruckende Karriere beendet. Was würdest du anders machen, wenn du das Rad der Zeit zurückdrehen könntest?

Beim ersten Teil der Karriere würde ich nichts ändern. Beim zweiten Teil würde ich viel vorsichtiger und geduldig sein. Da ich nach Verletzungen immer wieder zu früh eingestiegen bin, habe ich mich quasi von Verletzung zu Verletzung „gehangelt“. Durch das alternative Training habe ich stets meinen „Motor“ trainiert und bei jedem Wiedereinstieg sofort das Fahrgestell überfordert.

Welches sind deine Tipps für all jene, die 2018 erfolgreich an einem Rennen starten wollen? Kannst du uns 3 Tipps für die Vorbereitung und 3 Tipps für das Rennen geben?

Meine Tipps für die Vorbereitung:

  • Trainiere während dem ganzen Jahr, abgesehen von der maximal vier Wochen langen Trainingspause
  • Führe parallel zum Lauftraining ein Kraftprogramm mit Stabilisationsübungen durch
  • Trainiere regelmässig und variiere

Meine Tipps fürs Rennen:

  • Führe ein Warm-up durch, das so lang wie nötig und so kurz wie möglich ist
  • Starte dein Rennen überlegt und auf keinen Fall zu schnell
  • Am Schluss eines Wettkampfs darf es auch mal etwas weh tun

Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst?

Reg dich nicht über äussere Bedingungen auf, sondern mach das Beste aus der Situation.

 

Header-Foto: © alphafoto.com