Interview mit Caroline Steffen

18. Dezember 2018

Nach dreijähriger Absenz von der Ironman-Distanz gewinnt Caroline Steffen den Ironman Western Australia mit Streckenrekord. Die Leistung ist umso beachtlicher, als dass die mittlerweile 40-jährige vor einem Jahr erstmals Mutter wurde.

Wie hast du «deinen» Tag in Busselton erlebt? Kannst du uns Einblick in dein Rennen und deine Gefühlswelt geben? 

Der IRONMAN Western Australia war einer dieser Tage, an dem einfach alles rund lief. Vom schnellen Schwimmstart bis zum letzten Kilometer auf der Laufstrecke hatte ich mich und das Rennen unter Kontrolle. Der Streckenrekord war mein geheimes Ziel, und ich war überzeugt davon, dass wenn ich das Rennen clever gestalte und mir keinen grösseren Fehler erlaube, dies auch klappen würde. Auf dem Rad habe ich meine Gegnerinnen etwas früher als sonst unter Druck gesetzt, um zu sehen wie sie reagieren, und um abzuschätzen wie ich den Marathon zu laufen habe. 

Das grösste Fragezeichen war die Ernährung. Da ich meinen Sohn Xander immer noch stille, war mein Kalorienverbrauch deutlich höher als sonst, und ich musste das im Rennen über 9h irgendwie handeln. 

Deine Performance im Wasser und auf dem Rad war herausragend. Welches sind in deinen Augen ganz allgemein die wichtigsten 3 Schlüssel zum sportlichen Erfolg? 

Die wichtigsten drei Schlüssel zum Erfolg sind in meinen Augen: Selbstvertrauen, Geduld und Konzentration während dem Rennen und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. 

Seit einem Jahr bist du nicht mehr «nur» Athletin, sondern auch noch Mutter. Wie hat sich dein Alltag verändert? Wie schaffst du es, Training und Familie unter einen Hut zu bringen? 

Das ist nicht ganz einfach aber mittlerweile habe ich mich an den neuen Tagesablauf gewohnt. Die Ruhephasen zwischen den Einheiten kommen etwas zu kurz, da ich, wenn ich nicht trainiere, meistens mit Xander auf dem Spielplatz bin. Ich liebe die Abwechslung und Balance, die das Muttersein in mein Leben gebracht hat. Früher war mein Leben der Sport und alles andere musste warten. Nun bin ich Mutter und der Sport wird zur Nebensache. Mein Partner Pete arbeiten von zu Hause aus, was ein grosser Vorteil ist. Die Grossmutter wohnt auch nur um die Ecke. Sie liebt es, Xander für einen Spaziergang mitzunehmen. Ich versuche auch zu trainieren, wenn Xander schläft, z.B. am Mittag. So bin ich mit der zweiten Einheit fertig, wenn er aufwacht, und wir können zusammen Mittagessen. 

Nach Trainingsjahren mit hohem Trainingsvolumen unter Brett Sutton und Chris McCormack brauchte dein Körper eine Auffrischung. In welchen Bereichen hast du die Hebel angesetzt? 

Nun ja, ich denke die Auffrischung war, dass ich schwanger wurde und mir eine 10-monatige Auszeit gönnte. Auch nach der Geburt meines Sohnes habe ich es langsam angehen lassen. Die Rückkehr in den Sport war nur möglich dank Brett Sutton, meinem Ex- und nun wieder aktuellen Coach. Er ist derjenige, der mich am besten kennt und weiss, wie er mich trainieren muss um Weltspitzen Niveau zu erreichen. 

Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst? 

Den einzigen Tipp, den ich geben kann ist: Stelle dir dein eigenes kleines Team (Coach, Physiotherapeut, Ernährungsberater … etc.) zusammen und verlasse dich zu 100% darauf. Es sind schlicht zu viele «Tipps, Tricks und Infos» im Umlauf, welche bloss Verwirrung schaffen. Vertraue vielmehr deinem Instinkt und glaube an dich.