Interview mit Céline Schärer

21. November 2017

Im Schatten von Daniela Ryf wächst mit Céline Schärer eine neue Schweizer Langdistanzspezialistin heran. Im Oktober konnte die starke Schwimmerin, die im Juli überlegen den Ironman in Zürich gewann, erstmals an den Weltmeisterschaften in Hawaii starten und erzielte den 23. Rang.

Gratulation zu deinem ersten Ironman auf Hawaii! Wie hast du das Rennen erlebt? Was kannst du in der Vorbereitung und im Rennen optimieren, damit es mit deinem Ziel „Top 3 in Hawaii“ das nächste Mal klappt? 

Sehr eindrücklich und vor allem motivierend für das nächste Jahr. Um eine Top 3 Platzierung zu realisieren, braucht es wohl eher noch 2-3 Jahre. Ich weiss, dass ich mit konstantem Training und mehr Zeit mit meinem Coach Brett Sutton definitiv das Potential habe, nächstes Jahr in den Top 10 zu sein.

Auf dem Rad habe ich noch das grösste Potential mich zu verbessern. Wir haben bereits ein paar Änderungen vorgenommen, und ich bin zuversichtlich, dass ich im nächsten Jahr nochmals einen grossen Schritt vorwärts machen kann. 

Seit Anfang Juni wirst du wieder von Brett Sutton trainiert, der sich auch um Nicola Spirig und Daniela Ryf kümmert. Was ist es in deinen Augen, das ihn besonders auszeichnet? Und was davon könnten Hobbysportler für sich anwenden?  

Brett trainiert jeden Athleten individuell. Das heisst, nicht was für eine Person stimmt, funktioniert für die andere genau gleich. Jeder Athlet hat Stärken und Schwächen, an denen er individuell arbeiten muss.

Er sorgt dafür, dass wir uns auch die nötige Erholungszeit geben. Vor allem nach Rennen ist man oft übermotiviert und will gleich voll weitertrainieren, was zu Krankheit oder Verletzung führen kann. Viele Hobbysportler haben noch viel weniger Erholungszeit als wir, da sie nebenbei noch 100% arbeiten müssen, deshalb vergessen sie oft, dass die Erholungszeit für den Körper genau so wichtig ist wie die Trainingszeit.

Kannst du uns einen Überblick geben, wie dein Trainingsalltag aussieht? Welches sind deine wichtigsten Tipps für den Hobbysportler? 

Ich schwimme oft frühmorgens, das ist fast jeden Tag gleich. Danach folgen eine lange Radausfahrt oder zwei kurze Radtrainings, oder aber der Fokus liegt beim Laufen, und wir haben einen langen harten Lauf oder ebenfalls zwei kurze intensive Einheiten.

Bei uns liegt der Fokus oft bei einer oder zwei Disziplinen am Tag, das heisst jedoch nicht, dass wir die anderen nicht trainieren oder weglassen. Aber es ist wichtig Prioritäten zu setzen, so dass die Qualität vom Training nicht verloren geht. 

Viele Hobbysportler wollen ein Mal im Leben einen Triathlon absolvieren. Worauf sollen die beim Training auf dem Rad, beim Schwimmen, beim Laufen achten, und wo würdest du sagen, macht es am meisten Sinn, seinen Trainingsfokus zu legen, wenn man einsteigen will?

Kommt ganz darauf an, von welcher Sportart der Sportler kommt. Vor allem wichtig ist, dass man den Wechsel Rad/Laufen trainiert. Der ist auch für mich nach all den Jahren immer noch das Härteste beim Triathlon.

Im Schwimmen sollte man vor allem versuchen, eine gute Wasserlage zu bekommen, das heisst, Einsteiger sollten möglichst viel mit einem Pullbuoy zwischen den Beinen schwimmen, so dass sie das Gefühl bekommen, wie man im Wasser liegen sollte.

Auf dem Rad ist es wichtig, sich an das Rad zu gewöhnen und vor allem an die Position auf dem Rad. Oft kann man bereits da Muskelkrämpfe oder Rückenprobleme bekommen.

Im Laufen muss man vorsichtig sein nicht zu übertreiben. Vor allem wenn man zuvor nie gelaufen ist, kann man sich sehr schnell verletzen.

Also Fokus zuerst auf Schwimmen und Radfahren und vielleicht sollte man mit einer olympischen Distanz anfangen und nicht gleich eine Ironman Distanz absolvieren wollen als ersten Triathlon. ;)

Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst? 

Um im Triathlon erfolgreich zu sein, muss man vor allem konsequent sein. Zudem gilt es, geduldig zu sein und sich Zeit zu lassen, denn man wird nicht von Anfang an gleich in allen drei Disziplinen gut sein.