Essig als Krampflöser

11. Juli 2019

Muskelkrämpfe haben die meisten schon mal erlebt, vor allem bei heissen Temperaturen und intensiven Belastungen. Als Gegenmittel beginnt sich Essigwasser zu etablieren.

Ob bei einem Antritt auf dem Rad mitten in der Steigung, beim Bergablaufen kurz vor dem Zielstrich oder unvermittelt im Schlaf: Wohl alle Ausdauersportlerinnen und -sportler haben in ihrem Leben schon einmal einen Muskelkrampf erlitten und wissen, wie schmerzhaft und einschneidend das ist. Mit einem hartnäckigen Krampf ist an eine sportliche Leistung nicht mehr zu denken.

Die Gründe eines Muskelkrampfs sind bis heute nicht genau erforscht. Mitbeteiligt sind mechanische Überlastung durch zu hohe Intensität, zu lange Belastungsdauer, ungewohnte Sportarten oder Ursachen wie Hitze, Kälte, Flüssigkeits- und/oder Elektrolytmangel oder zu geringe Energiezufuhr. Oft spielen beim Entstehen von Krämpfen mehrere und sich kumulierende Faktoren eine Rolle, die sich zudem individuell unterschiedlich auswirken. Daher gibt es weder eine Rezeptur, wie Krämpfe zu verhindern sind, noch bislang ein Heilmittel, wenn sie plötzlich auftreten.

Als einzige «Therapie» bei einem Muskelkrampf gilt entweder eine starke Reduktion der Belastung, sprich das Herunterfahren des Tempos, oder die gänzliche Unterbrechung der sportlichen Leistung gefolgt von einer Dehnung der betroffenen Muskulatur. Im Kampf gegen Sekunden keine befriedigende Lösung.

Neuronales Signal ans Gehirn

Neue Hoffnung für krampfgebeutelte Sportlerinnen und Sportler verspricht Essiggurkenwasser. Bereits vor einigen Jahren hat eine US-amerikanische Studie festgestellt, dass die essighaltige Flüssigkeit herkömmlich eingelegter Gurken die Krampfdauer bei Sportlern deutlich verkürzen konnte. Und dies interessanterweise nicht nur dann, wenn das Gurkenwasser getrunken wurde, sondern die Probanden konnten damit auch einfach den Mund spülen und erzielten praktisch die gleiche Wirkung.

Warum das saure Gurkenwasser die Krampfdauer verkürzt, ist nicht ganz klar. Die These lautet: Nicht wie früher angenommen Dehydratation oder Elektrolytmangel sorgten hauptsächlich für die unangenehmen Muskelkrämpfe, sondern ein fehlerhafter Rückenmarkreflex, der dazu führt, dass die Muskelaktivität nicht mehr optimal gesteuert werden kann und der Muskel zu stark kontrahiert.

Der Essig vermag diesen Reflex scheinbar zu überlisten. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Rezeptoren im Mund durch den sauren Geschmack des Essiggurkenwassers ein neuronales Signal ans Hirn übermitteln, wodurch die Muskulatur anders angesteuert wird und Krämpfe dadurch rasch wieder verschwinden oder gar nicht erst auftreten. Wissenschaftlich bewiesen ist die Theorie allerdings nicht.

Positive Rückmeldungen

Da im Sport der Erfolg von Produkten aber nicht zwingend davon abhängig ist, ob wissenschaftlich bewiesen oder nicht, sind als Folge der ersten Studien in den USA rasch kommerzielle Sportdrinks gegen Muskelkrämpfe lanciert worden, die ähnliche Ingredienzen wie Essiggurkenwasser aufweisen (beispielsweise Pickle Juice). In der Schweiz befasste sich die Firma Sponser intensiv mit dem Thema und entwickelte aus den Ingredienzen Essig, Gurkensaft, Salz, Zitronensäure, Kalium, Magnesium und Chinin das Produkt «Muscle Relax», das laut zahlreichen Athleten-Rückmeldungen ebenfalls eine stark krampflösende Wirkung haben soll.

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