Interview mit Gabriel Lombriser

10. Oktober 2017

Gabriel Lombriser hat mit dem Sieg in der Königskategorie Single Man als erster den 'Grand Slam' geschafft und in jeder Kategorie (Team of 5, Couple und Single) gewonnen.

Anfang Juli hast du den Gigathlon, den traditionellen Schweizer Multisportanlass, zum ersten Mal als Single gewonnen. Wie hast du das Rennen erlebt?

Ich hatte über das ganze Rennwochenende wirklich den perfekten Flow! Einen Gigathlon kann man annähernd vergleichen mit 2 aufeinanderfolgenden Ironman-Tagen. Dementsprechend ist es wichtig, den ersten Tag mit angezogener Handbremse zu starten. Dies gelang mir wirklich gut, und so hatte ich einen optimalen Einstieg mit meiner Paradedisziplin, dem Laufen. Aufgrund der heissen Temperaturen am ersten Tag war es mir besonders wichtig, den ganzen ersten Wettkampftag den Motor nicht zu überhitzen! Denn dies hätte Konsequenzen, welche man später und am nächsten Tag doppelt büsst! Mit angepasster Geschwindigkeit und mit verschiedenen Kühlmethoden konnte ich den warmen Temperaturen aber erfolgreich trotzen. Das Schöne beim Gigathlon ist, für Abwechslung ist garantiert: Durch die 5 Disziplinen ist der Körper immer unterschiedlich gefordert und die Belastung ändert dadurch oft. 

Der Vorsprung am ersten Tag war mit 13 Minuten noch relativ knapp. Jedoch konnte ich mit einem ebenso guten zweiten Tag den Vorsprung auf rund 40 Minuten ausbauen. Natürlich waren die Beine am Sonntag nicht mehr ganz so frisch. Jedoch kämpfen alle mit der gleichen körperlichen Ermüdung! Bis fast zum Schluss konnte ich nie sicher sein, ob es wirklich reicht und nicht etwa doch noch eine grössere Krise im Anflug ist. Erst auf der abschliessenden Laufstrecke durch Zürich war ich meiner Sache sicher und konnte es richtig geniessen. Der Zieleinlauf nach 17 Stunden Wettkampfzeit ist für jeden Athleten immer etwas ganz Besonderes. Diesen mit meiner Frau Judith und meinem Bruder Simon, welche mich das Wochenende als Supporter betreuten, zu geniessen, fühlte sich grossartig an! Und gerne denke ich an das Emotionale Wochenende in Zürich zurück.

Deine Vorbereitung verlief alles andere als optimal. Welches waren deine wichtigen Schlüsse, die du aus der Verletzungsphase gezogen hast?

Ja es stimmt, im Frühling konnte ich auf Grund einer entzündeten Achillessehne rund 4 Wochen nicht laufen, und auch das Radfahren war kaum möglich. Das war schon nicht ganz einfach in dieser Zeit. Ich glaube, das wissen alle Athleten, welche auf ein Ziel trainieren, und es dann aber nicht nach Wunsch verfolgen können. Das Schöne am Multisport ist, dass man während dieser Zeit den Fokus auf andere Disziplinen legen kann. So hatte ich in dieser Zeit mehr ins Schwimmen investiert und durch Kraft- und Beweglichkeitstraining aktiv an der schnellen Genesung gearbeitet. Auch nahm ich mir Zeit für die Behandlung beim Physiotherapeuten und für die Massage. So konnte ich meinem Körper auch das zurückgeben, was er eigentlich früher gebraucht hätte: nämlich Pflege. Dies ist ein Faktor, welchen man im Trainingsalltag oft vernachlässigt. Sowieso, wenn es gut läuft! Dies beobachte ich bei allen Sportlern, sei es Profi, Leistungssportler oder Hobbyathleten. 

Eine Verletzungspause hat oft auch etwas Gutes. Man lernt seine eigenen Schwachstellen kennen und richtet dann den Fokus explizit auf diese und kommt oft überraschend stärker aus dieser heraus!

Dein Wissen für optimales Training fliesst im running.COACH, dem online Trainingsplan für Läufer, ein. Welche darin eingepflegten Trainingsgrundsätze gelten für die Sportler aller Leistungsniveaus?

Wir haben verschiedene Trainingsprinzipien in den Trainingsplänen von running.COACH implementiert: 

  1. Das Training ist abwechslungsreich und differenziert: Anzahl der Trainings, Dauer und Intensität der Trainings varieren.
  2. Das Training ist progressiv aufgebaut: Die Trainingsbelastungen gewöhnen den/die Läufer/in an neue Belastungen und führen so stetig an die ganz persönlichen Ziele.
  3. Laufen ist nicht nur Laufen! Im running.COACH Trainingsplan geben wir einen Haufen Tipps rund ums Training: Alternativtraining, Ernährung, etc
 

Die Stadtläufe stehen kurz bevor. Auch du hast bereits zum Beispiel in Basel, Langenthal oder Zürich Erfahrungen gesammelt. Welches sind deine Tipps für ein erfolgreiches Rennen?

Die Stadtläufe sorgen für viel Spass und Abwechslung in den kalten Wintermonaten! Sie sind ein oft nicht mehr wegzudenkender Fixtermin im Kalender eines Läufers, ideales Zwischenziel oder einfach ein Farbtupfer im Trainingsalltag im Winter. 

Durch die Distanzen von 5-10km sind sie im Vergleich zu vielen anderen Volksäufen sehr kurz und heftig. Dies ist eine kleine, oft auch ungewohnte Herausforderung. Ein abwechslungsreiches Wintertraining, inklusive regelmässigem Intervall-Training ist der Grundstein für einen erfolgreichen Lauf. Die oft kühlen Temperaturen erfordern noch vielmehr ein gutes Warmup für alle unsere Muskeln und auch die Lunge!

Du bist nicht nur Athlet und Coach, sondern auch Organisator der SOLA Basel, einer neuen Lauf-Stafette in der Region Nordostschweiz. Kannst du uns bereits mehr über dieses Projekt erzählen?

Ja genau! Mit der SOLA Basel stellen wir eine kleine Laufreise durch die Nordwestschweiz auf die Beine. Ganz nach dem Motto "SOLA geht nicht solo", besteht ein Team aus 10 Läufer/innen, welche zusammen eine Distanz von 80 km laufen, aufgeteilt in Teilstrecken von 5-12 km. Die Strecke führt durch die beiden Kantonshauptorte Basel und Liestal und durch die schöne Natur der Nordwestschweiz. Mit der SOLA Basel bringen wir, nach dem Vorbild der Studentenstafetten in Schweden und Zürich, einen Laufteamanlass in den Sportkalender, welcher Gross und Klein, Vereine und Firmen, Stadt und Land und auch die beiden Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft verbindet. Für Kinder und Familien wird auch die Mini SOLA beim Start und Zielort, Park im Grünen in Münchenstein, ein Highlight werden. Mit meinen Erfahrungen als Läufer und in der Organisation von Laufanlässen, meinem Job bei running.COACH und durch die Beziehungen in der Laufszene versuche ich den Event vom Samstag, 2. Juni als OK-Präsi bestmöglich zu lancieren. Mehr Infos gibt es hier.

Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst? Ein Schlüsseltraining, einen Ernährungs- oder Techniktipp zum Beispiel?

Mein ganz persönlicher Tipp, der mir für die Gigathlon-Form noch das i-Tüpfelchen gebracht hat: Kohlenhydratperiodisierung, eine Mischung von Low-Carb und High-Carb Diät, welche die Vorzüge beider Diäten optimal miteinander vereint. Egal für welche Wettkampf-Dauer, definitv ein Versuch wert! Ernährungswissenschaftlerin Dr. sc. nat. Joëlle Flück, eine Kollegin von mir, hat darüben einen Blog-Beitrag verfasst.

Foto: ZVG