Interview mit Jan van Berkel

3. August 2018

Jan van Berkel krönt seine Karriere und gewinnt den Ironman Switzerland. Im siebten Jahr als Langdistanz-Profi reicht es nach mehreren Podestplätzen zum ersten Mal zu einem grossen Sieg.

Wie hast du «deinen» Tag erlebt? Kannst du uns Einblick in dein Rennen und deine Gefühlswelt geben?

Es war mental ein extrem guter Tag. Ich habe es geschafft, fast immer mit meinen Gedanken im Moment zu bleiben, immer nur an das zu denken, was ich in diesem Moment tun musste, um meine Ziele zu erreichen. Ein spezieller Moment war, als ich nach knapp 20km beim Laufen stark aufzuholen begann und merkte, wie die Zuschauer, das Heimpublikum, langsam merkte, dass ich gewinnen kann. Die Anfeuerungsrufe wurden anders, ich spürte das. Es trug mich. Am Schluss, die letzten 5km vor dem Ziel… da musste ich während dem Laufen die eine oder andere Träne aus den Augen wischen. Es war unglaublich. 

Studiert man deine Abschnittszeiten, fällt neben deiner Top-Schwimmzeit (50:25) dein unglaublich schneller Marathon in 2:45:18 auf. Bei nota bene annähernd 30 Grad! Kannst du uns erklären, wie du dein Rennen eingeteilt, was für eine Strategie du für die Verpflegung gewählt und was du gegen die Hitze unternommen hast?

Als wir mit knapp 9min Rückstand vom Rad gestiegen sind, wusste ich, dass ich an diesem Tag wohl den Marathon meines Lebens zeigen muss, wenn ich eine Chance auf den Sieg haben möchte. Dies ist mir gelungen, indem ich stets mit der richtigen Intensität unterwegs war. Diese kontrolliere ich während dem abschliessenden Marathon mit einer GPS Uhr (inkl. Puls zur nachherigen Analyse) und der Durchschnittspace. Diese gibt mir insbesondere während den ersten 10km bei einem unguten Gefühl aufgrund der Vorermüdung oder der Euphorie des Marathonbeginnes eine grosse Sicherheit. 

In Sachen Verpflegung halte ich mich an die Faustregel von ca. 60-80gr Kohlenhydraten und 900ml Flüssigkeit pro Stunde. Auch während dem Marathon. Ich schwöre auf den Long Energy Gel von Sponser, der mit Ingwer Extrakt den Magen schont und auch etwas Fett als Energieträger beinhaltet. 

Gegen die Hitze setze ich auf Bewährtes: Oberflächen nass halten und wenn immer möglich Eis nahe auf der Haut irgendwie mittragen. Ich schieb mir dann einfach den Becher voll Eis unter den Anzug und lasse es da schmelzen. 

Ein Ironman ist trotz dem Wettkampf mit den anderen primär ein Kampf mit sich selber.

Dein Triumph hat sich mit der im April aufgestellten Fabelzeit von 7:48:41 angedeutet. Welches sind in deinen Augen die drei Schlüssel zum Erfolg?

  1. kompromisslose Hingabe zum Spitzensport als Lebensstil 
  2. ein Umfeld, das diesen Lebensstil ermöglicht und unterstützt
  3. Spass und Passion an der Aufgabe

Seit bald zwei Jahren coacht dich der Neuseeländer Dan Plews, Sportphysiologe und selber Ironman-Athlet. Wo setzte er die Hebel an, um aus einem guten einen erfolgreichen Jan van Berkel zu machen?

Ich habe mit Dan durch eine Umstellung der Ernährung auf «Low Carb High Fat» insbesondere den Stoffwechsel optimiert. Zudem haben wir mit Hilfe der Herzfrequenzvariabilität herausgefunden, auf welche Trainingsformen ich gut anspreche.

Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst? Einen Trainings-, Ernährungs- oder Erholungstipp zum Beispiel?

Es gibt keinen Geheimtipp. Und wer danach sucht, der versucht der harten Arbeit aus dem Weg zu gehen. 

Fotos: ©Ironman Switzerland