Interview mit Elise Chabbey

26. März 2020

2012 war Elise Chabbey als Kanutin Teilnehmerin an den Olympischen Spielen in London. Während ihrem Medizinstudium begann sie in den Folgejahren mit Laufen und Radfahren und konnte schliesslich 2019 an den Weltmeisterschaften für die Schweiz starten.

Statt dich für die Frühjahrsklassiker und Olympia vorzubereiten, bist du ins Spital zurückgekehrt und hilfst, als Ärztin Corona-Kranke zu pflegen. Kannst du uns Einblicke in deine Gedanken und deine Gefühlswelt gewähren?

Am Anfang war ich sehr enttäuscht, als ich von der Absage der Rennen hörte und das Ausmass der Situation noch nicht verstand. Aber als ich einmal vom Krankenhaus um Hilfe gebeten wurde, habe ich ziemlich schnell zugesagt, weil ich keine kurzfristigen Ziele mehr für das Fahrrad hatte und es schwierig ist, zu trainieren und motiviert zu bleiben. Ich habe also letzte Woche mit der Arbeit im Krankenhaus begonnen und bereue meine Entscheidung nicht. Ich habe das Glück, in dieser Zeit helfen zu können, im Gegensatz zu den meisten Menschen, die eingesperrt bleiben müssen. Ich nehme es als Chance und denke, dass der Sport heutzutage in den Hintergrund tritt. Ich hoffe, dass ich auf meine Wahl stolz sein werde, wenn es wieder an den Start geht.

Du bist wahrlich ein Multitalent. Welches sind in deinen Augen die Schlüssel zum Erfolg?

Der Schlüssel ist der Spass. Für mich sollte das Training in erster Linie Spass machen. Wenn ich eines Tages keine Lust habe, auf mein Rad zu steigen und lieber laufen gehe, dann tue ich das, auch wenn es nicht zu meinem Plan gehört. Das Wichtigste ist, die Motivation in dem, was man tut, zu erhalten!

Du warst als Kanutin alleine im Stangenwald im wilden Wasser unterwegs. Welches waren technisch, taktisch und leistungsmässig die grössten Herausforderungen auf dem Weg zur Rennradfahrerin?

Kajakfahren ist ein sehr technischer Sport. Als ich auf das Radfahren umgestiegen bin, musste ich lernen, im Feld zu fahren, die Hände locker zu lassen und einige andere technische Aspekte zu beachten, aber die Hauptsache ist der körperliche Aspekt. Und mir wurde klar, dass ich es im Sport vorziehe, bei der Anstrengung bis an das Ende zu gehen, die eigenen Grenzen zu erweitern. Und das finde ich im Rad- und Ausdauersport.

Viele Radfahrerinnen und Radfahrer bereiten sich derzeit draussen und drinnen auf die Saison vor. Welches sind deine wichtigsten Trainingstipps?

Es ist aktuell eine schwierige Zeit für alle Athleten. Ich denke, es ist wichtig, die Motivation aufrechtzuerhalten, indem man versucht, das Training so weit wie möglich zu variieren. Es ist vielleicht besser, die Trainingseinheiten zu verkürzen oder zweimal täglich mit etwas mehr Abständen zu machen. Gegebenenfalls macht es auch Sinn, dass Training mit Kraft- oder sonstigem Kondititonstraining zu ergänzen.

Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst?

Ich habe eigentlich keine Geheimnisse. Was für mich funktioniert, ist die Abwechslung von Sport und Vergnügen. Das ist es, was ich empfehle, um motiviert zu bleiben!