Interview mit Jean-Philippe Tschumi

7. Oktober 2019

Für viele war Jean-Philippe Tschumi vor dem Startschuss zum Eiger Ultra Trail (EUT) ein Unbekannter. Und dies obwohl seine Bilanz mit mehreren Siegen bei Ultra Trails bemerkenswert ist. Der Waadtländer hat es erneut allen gezeigt und die 7. Auflage des EUT souverän gewonnen.

Wie hast du «deinen» Tag am Fusse der Eiger-Nordwand erlebt? Kannst du uns Einblick in dein Rennen und deine Gefühlswelt geben?

Ich bin ganz ohne Druck in Grindelwald angekommen. Niemand hatte Erwartungen und meine Einstellung war, ein gutes Rennen zu laufen, meine Kraft gut einzuteilen und Spass zu haben. Von Anfang an fühlte ich mich gut. Ich hatte geplant, der Spitzengruppe bis Wengen zu folgen, dann beim Aufstieg unter dem Männlichen zu beschleunigen und genau das habe ich getan. Dann, wenn man ganz vorn ist, muss man es noch durchziehen... Ich werde mich gerne daran erinnern.

Zwei Wochen vor dem EUT hast du bei den Schweizer Meisterschaften im Trail Running über 73 km in Verbier die Silbermedaille gewonnen. Wie sieht dein Trainingsalltag aus? 

Ich habe kein Trainingsprogramm. Zu Beginn dieser Saison habe ich versucht, einem Programm zu folgen, aber es wurde schnell zu einem Hindernis. Ich mag es, abends vor dem Einschlafen meinen morgigen Lauf zu planen. Welche Gipfel, welche Kämme, welche Wege ich laufen werde. Es ist dann eine wahre Freude, meine Sportschuhe anzuziehen.

Bei solchen Langstreckenrennen haben Geist und Ernährung grossen Einfluss. Was läuft bei dir grundsätzlich während einem Rennen im Kopf ab? Was ist deine Strategie, was die Verpflegung betrifft?

Eine der grossen Entdeckungen, die ich gemacht habe als ich mit diesem Sport begonnen habe, war die Entdeckung meines Körpers. Davor habe ich sehr wenig auf ihn gehört, mein Kopf hat alles entschieden und mein Körper musste es erleiden. Ich denke jetzt, dass beide untrennbar miteinander verbunden sind. Wenn mein Körper nein sagt, ist es hart, weil ich es nicht akzeptiere. Aber ich lerne nach und nach... In meinem Kopf ist alles cool, denn ich liebe, was ich tue. Ich treffe auf keine Probleme, abgesehen von meiner Herangehensweise an den Sieg. 

Ernährung ist so wichtig, das ist einfach unser Treibstoff. Als ich anfing, habe ich mich überhaupt nicht gut ernährt. Ich war dann in einem schlechten Zustand. Jetzt, da ich den Ernährungsplan voll und ganz befolge, bin ich auf keine Überraschungen mehr gestoßen. Man muss sehr streng sein und nicht vom Plan abweichen, sonst ist es der Anfang vom Ende...

Immer mehr Läufer ziehen in Erwägung, einmal im Leben an einem Ultra-Trail-Wettkampf teilzunehmen. Welche sind deine drei besten Tipps zur Bewältigung einer solchen Herausforderung?

  1. Es zu tun, natürlich.
  2. Seinem Körper (mental-physisch) vollständig zu vertrauen, weil er über unvorstellbare Ressourcen verfügt.
  3. Und schnell loszulaufen... Nein, nur ein Scherz :-) Systematisch die negativen Gedanken, negativen Schwingungen aus dem Geist zu vertreiben.

Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst?

Ich habe kein Erfolgsgeheimnis. Ich versuche, es so natürlich und einfach wie möglich anzugehen. Oh ja, ein Tipp: Bouillon am Verpflegungsposten ist der Hit.