Interview mit Jolanda Annen

20. September 2016

Im Schatten von Nicola Spirig und Daniela Ryf ist mit Jolanda Annen ein neuer Stern am Schweizer Triathlonhimmel aufgegangen. Die 24-jährige «Aufsteigerin des Jahres 2015» gewann in diesem Jahr im mexikanischen Huatulco zum ersten Mal ein Weltcuprennen und qualifizierte sich souverän für die olympischen Spiele.  

Wie sah deine Vorbereitung in den letzten Wochen und Monaten für das olympische Rennen aus?  

Meine Vorbereitung war aufgebaut auf diverse Trainingslager von November bis Juli. Ich habe immer wieder mit der Nationalmannschaft von Swiss Triathlon trainiert, konnte dabei auf gute Unterstützung von verschiedenen Trainingspartnern zählen. 

Im Schnitt trainiere ich 22h pro Woche, das bedeutet ca. 25km Schwimmen, 180km Radfahren und 70km Laufen. Dazu kommen zwei Krafttrainings, mit denen ich meine Rumpfstabilität stärke und vor allem Verletzungen vorbeugend trainiere. Für die Erholung gehe ich in die Massage, benutze meine Blackrolls oder dehne mich. 

Du hast in den letzten zwei Jahren enorme Fortschritte gemacht. Welches sind in deinen Augen die wichtigsten Punkte, die dich schneller machten und die sich auch Hobbytriathleten zunutze machen könnten?  

Für mich ist der Schlüssel, dass mein Trainer, Marc-Yvan de Kaenel, seit langem einen sehr guten Aufbau geplant hat, und wir das gut umsetzen konnten. Natürlich war es auch sehr wichtig, dass ich in dieser Zeit gesund bleiben konnte und das Trainingspensum stetig erweitern konnte. 

Auch für Hobbyathleten ist meiner Meinung nach am wichtigsten, dass ein guter Mix zwischen Grundlagen und Tempotraining gefunden wird. 

Was läuft bei dir während einem Rennen im Kopf ab? Wie reagierst du auf aufkommende negative Gedanken?  

Bei guten Wettkämpfe weiss ich meistens sehr wenig von meinen Gedanken, die ich während dem Rennen hatte. Ich bin völlig fokussiert, probiere meine ganze Energie in Geschwindigkeit umzusetzen. Bei negativen Gedanken probiere ich zum Beispiel an harte Trainings zu denken, mich neu zu motivieren, so dass ich nochmals Gas geben kann. Oder beim Laufen achte ich mich auf meine Technik, um mich neu zu konzentrieren. 

Im April 2014 wurde bei ihr die Viruserkrankung Pfeiffer-Drüsenfieber diagnostiziert. Nach mehrmonatiger Trainingspause hast du wieder ins Wettkampfgeschehen eingegriffen. Welches sind deine wichtigsten Tipps für einen erfolgreichen Wiedereinstieg nach einer Verletzungs- oder Krankheitsphase?  

Ich habe gemerkt, wie wichtig es ist zu warten, bis der Körper wieder Leistung bringen kann. Obwohl die Werte schon wieder im grünen Bereich waren, habe ich zusammen mit meinem Trainer entschieden, noch auf Lauftrainings zu verzichten, weil dort die Belastung am höchsten ist. In dieser Phase war es sehr wichtig, genau auf die Zeichen des Körpers zu hören, auch mal ein Training abzubrechen oder wegzulassen.