Interview mit Marc Lauenstein

31. Mai 2016

Der Neuenburger startete seine Sportkarriere als OL-Läufer und wurde zwei Mal Vizeweltmeister auf der Langdistanz. Danach setzte er auf den Laufsport und hat beeindruckende Siege im In- und Ausland feiern können.  

Du hast Erfolge in grossen traditionellen Rennen feiern können. Was ist für dich der Schlüssel zum Erfolg?

Seit meinem Rücktritt von der internationalen OL-Bühne 2012 trainiere ich weniger. Ich profitiere jedoch sicher von meiner physischen Basis, die ich über Jahrzehnte hinweg als OL-Spitzensportler gelegt habe. Dank meiner grossen Wettkampferfahrung weiss ich auch genau, was ich brauche, um am Tag X in Top-Form zu sein, ohne allzu grossen Aufwand treiben zu müssen.

Weiter ist für mich ein Schlüssel, dass ich nicht mehr an vielen Wettkämpfen starte, was mir hilft, jeweils äussert motiviert und frisch an der Startlinie zu stehen. 

Als Zahnarzt führst du eine eigene Praxis in der Nähe von Neuenburg. Wie organisierst du dich, damit neben dem Beruf noch genügend Zeit fürs Training bleibt?  

Übers Jahr hindurch einen hohen Trainingsaufwand zu betreiben schaffe ich nicht mehr, und möchte es auch gar nicht. Dafür sind meine Familie und mein Job zu wichtig. Ich denke, ich würde nur noch abgestumpft durch den Alltag kommen, wenn ich Tag ein Tag aus immer viel trainieren würde. Trotzdem, es gibt Perioden, während denen ich richtig hart und viel trainiere. Es fängt etwa im Februar an, wo ich gezielte Blocks von 2 bis 5 Tagen mache, während denen ich probiere, an meine physischen Grenzen zu kommen. Da trainiere ich oft sehr früh am Morgen, über die Mittagspause und auch spät am Abend. Danach bin ich richtig k.o. und muss auch wieder mehr Zeit und Energie meinem Umfeld widmen. Ich erlaube es mir dann auch, mehrere Tage sehr locker oder sogar gar nicht zu trainieren. 

Nach etwa 2 Monaten mit einem solchem Aufbau, weiss ich, dass ich wieder in ziemlich guter Form bin, um in die Wettkampfarena zu steigen. 

Viele Läufer setzen derzeit auf Ultraläufe. Welches sind deine wichtigsten Tipps, um auf diesen langen Distanzen erfolgreichen zu sein?  

Meine Wettkampferfahrung limitiert sich auf 4-stündige Läufe. Heutzutage sind das keine Ultraläufe mehr. Ich bin aber überzeugt, dass oft auf die intensiven Trainings, vor allem auf die flachen Intervall Einheiten zu wenig Wert gelegt wird. Dort lernt der Körper ökonomisch zu laufen, sogar wenn man im Wettkampf nie in diesem Speed unterwegs ist. 

Andererseits bin ich oft überrascht, wie schlecht sogar Spitzenläufer sich verpflegen. Es ist nicht kompliziert, das richtig zu machen. Mein Rezept ist zum Beispiel, dass ich 0.8L isotonisches Getränk pro Stunde zu mir nehme. Diese Flüssigkeitzufuhr plane ich anhand der vorhandenen Verpflegungsmöglichkeiten. 

Was läuft bei dir während einem Rennen im Kopf ab? Wie reagierst du auf aufkommende negative Gedanken?

Ich probiere stets die negativen Gedanken nicht aufkommen zu lassen, bevor sie sich entwickeln. Ich bin allerdings noch nie einen langen Wettkampf gelaufen, ohne eine oder mehrere Krisen meistern zu müssen! Die gehören halt dazu. Wenn man diese Krisen akzeptiert aber auch die Erfahrung gemacht hat, dass diese vorübergehen, dann ist man ihnen gegenüber viel gelassener. Ich schaue, dass ich gut verpflegt bleibe, setzte mir kurzfristige Streckenziele und probiere mich mit einer „gring ache u sekle“ Mentalität zu motivieren.