Interview mit Michelle Maier

29. August 2017

Wo auch immer Michelle Maier an den Start geht, sie zählt zum engsten Favoritenkreis. Die erfolgreiche Bergläuferin aus Bayern fällt auf als Vielstarterin und möchte in diesem Jahr am Jungfrau-Marathon an ihren Erfolg aus dem Vorjahr anknüpfen.

Welches sind in deinen Augen die wichtigsten Punkte, die dich so weit gebracht haben und zum Erfolg führen?

Also die wichtigste Rolle spielt dabei auf jeden Fall der Spass, die Leidenschaft für das Berglaufen, die ich nach langer Verletzungspause erst so richtig wahrgenommen habe. Da habe ich gemerkt, wie sehr mir das Rumlaufen in den Bergen eigentlich Spass macht und somit eine grosse Motivation darstellt. 

Ich habe auch angefangen, mir keine Grenzen mehr zu setzen: Während ich zuvor noch ein strikt geregeltes „Training“ hatte und mich somit oft selbst eingeschränkt habe, obwohl ich eigentlich das Bedürfnis hatte, etwas ganz anderes zu machen, habe ich angefangen, auf mein Gefühl und den Körper zu hören. Dabei kommen Wochen zustande, in denen ich kaum etwas mach, aber dann auch welche mit riesen Umfängen... Wenn mein Körper das OK gibt, dann lass ich ihn laufen ;) 

Ausserdem habe ich nach meinem Abitur wieder etwas mehr Zeit für Sport gehabt und kann mir diese während dem Studium gerade gut meist selbst einteilen, weshalb ich Training und Regeneration gut steuern kann. 

Du startest auch dieses Jahr wiederum am Jungfrau-Marathon. Welches ist mit der Erfahrung aus dem letzten Jahr dein taktischer Fahrplan? Welches sind deine Tipps für die vielen Hobbyläufer, die den Weg auf die Kleine Scheidegg ebenso auf sich nehmen?

Meine Stärke ist das Bergauflaufen, weshalb ich wieder schauen muss, die ersten relativ flachen 25km gut hinter mir zu bringen, damit der Abstand zu den vorderen Frauen nicht zu gross wird... Somit versuche ich, auch im Training wieder mehr flache Strecken einzubauen (auch wenn es mir nicht so Spass macht). 

Das spezielle Streckenprofil verlangt somit auch eine besondere Vorbereitung: Der Wechsel von flach zu bergauf sollte immer wieder geübt werden. Ich finde das muskulär ziemlich belastend – eine gute Anpassung ist dabei wichtig! 

 

Während den letzten Wochen hat man dich praktisch jedes Wochenende an einem Berglauf angetroffen. Kannst du uns erklären, wie dein Training grundsätzlich ausschaut und ein Beispiel einer Trainingswoche aufführen?

Haha, ja das stimmt :D Dabei waren die meisten Wettkämpfe aber eher „Vorbereitungswettkämpfe“ die ich anstelle eines intensiven Trainings nutzte. 

Mein Training wird gerade erst etwas strukturierter gestaltet und war zuvor etwas chaotisch: Ich habe immer nach Lust, Laune und Wetter „trainiert“. Wenn es eine Woche nur schön war, dann war ich halt jeden Tag auf dem Berg beim laufen, biken oder wandern, während bei schlechten Wetter eher flach laufen angesagt ist.

Ich versuche aber, einmal die Woche ein intensives Training zu absolvieren, also entweder Intervall-, oder Tempodauerläufe und einen langen Lauf. Aber ich mache auch viel Alternativtraining, v.a. Mountainbiken. Da kann ich viel Höhenmeter bergauf machen und schone die Beine bergab... Manchmal gehe ich auch Aquajoggen, das ist dann eher eine regenerative Einheit. Yoga steht auch oft auf dem Programm.

Ende Mai hast du verletzungsbedingt pausieren müssen. Welches waren deine wichtigen Schlüsse, die du aus der Verletzungsphase gezogen hast?

Zum einen die Erkenntnis, dass das Berglaufen wirklich meine Leidenschaft ist und ich genau darin die grösste Freude habe: In der Natur, in den Bergen, „rumzuhüpfen“ macht mir am meisten Spass.

Dann natürlich auch, dass ich mich manchmal, trotz aller Motivation, doch etwas einbremsen sollte und den Kopf besser öfter einschalten, damit ich mir nicht wieder eine Verletzung hole... 

Ein weiterer Punkt, den ich gelernt habe, ist, wie wichtig es ist, auch mal für ein paar Tage bis Wochen nicht zu laufen und die Laufmuskulatur zu entlasten. Danach ist man nicht nur motivierter, sondern auch meist leistungsfähiger!

Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst? Ein Schlüsseltraining, einen Ernährungs- oder Techniktipp zum Beispiel?

Ich finde es wichtig, dass man in der Freizeit das machen soll, was Spass macht und worin man seine Leidenschaft findet. Und genau in dem Ausmass, was jedem individuell gut tut und das beste Gefühl bereitet. Der Vergleich mit anderen sowie eine Art Selbstkasteiung, wie ich sie leider oft mitbekomme, bringt nichts... Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass man im Leben das macht, was einem Freude bereitet, es ist eh viel zu schnell um ;) 

Titelfoto: "(c) Philipp Reiter/Salomon Running"