Interview mit Nicola Spirig

22. März 2016

Seit fünf Jahren dominiert Nicola Spirig die Triathlon-Szene fast nach Belieben. Sie wurde Europameisterin, Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Dieses Jahr will sie trotz den bei einem Sturz in Abu-Dhabi gebrochenen Mittelhandknochen ihren Titel in Rio an den olympischen Spielen verteidigen.  

Im August stehen die olympischen Spiele auf dem Programm. Wie sieht deine Vorbereitung in den Monaten davor auf dieses grosse Ziel aus?

Die Heilung meiner Verletzung steht aktuell im Vordergrund. Trotzdem werde ich ins Trainingslager reisen, um mich optimal vorzubereiten. In welchem Rahmen ich Vorbereitungsrennen absolviere, ist noch nicht ganz klar.

Ich möchte dieses Jahr nicht zu früh in Form kommen, sondern erst die letzten drei Monate vor Rio im Höhentrainingslager in St. Moritz nutzen, um in absolute Topform zu gelangen. Nach Rio reise ich dann erst sehr kurzfristig drei Tage vor dem Rennen.

Seit bald drei Jahren bist du nicht nur Triathletin, sondern auch noch Mutter. Wie gehst du mit dieser Doppelbelastung um, bzw. wie organisierst du Training/Beruf und Familie?

Ich habe das Glück, von einem grossen Team um mich sehr viel Unterstützung zu bekommen, vor allem von meinem Mann Reto. Er hat momentan die Hauptaufsicht für Yannis, so dass ich mich gut auf das Training konzentrieren kann. Reto und Yannis begleiten mich sehr oft mit ins Trainingslager, für mich eine ideale Situation. Im Engadin haben wir eine Wohnung gemietet, für Yannis ein zweites zu Hause und für mich wird das Engadin wie erwähnt der Vorbereitungsort in den letzten Monaten vor Rio sein. So kann ich Familie und Training gut kombinieren. 

Alles unter einen Hut zu kriegen, ist sicher nicht einfach, aber durch Yannis habe ich auch eine ganz andere Perspektive erhalten, kann lockerer an den Sport herangehen, was für mich positiv ist. 

Grossen Anteil an deinen Erfolgen hat dein Trainer Brett Sutton. Was ist es, was ihn in deinen Augen besonders auszeichnet? Und was davon könnten Hobbysportler für sich anwenden?  

Brett ist seit 40 Jahren hauptberuflich Trainer, dazu in verschiedenen Sportarten, und hat dadurch eine unglaubliche Erfahrung. Mit über 20 Weltmeistern und drei Olympiamedaillen mit verschiedensten Athleten weiss er genau, was es braucht, um Athleten zum Erfolg zu führen. Mich beeindruckt seine grosse Menschenkenntnis. Er geht mit jedem Athleten je nach seiner Persönlichkeit und seinen Fähigkeiten anders um und trainiert ihn auf eine andere Art. Dazu versteht er es, mit seiner internationalen Trainingsgruppe ein ideales Umfeld zu schaffen, um konzentriert, motiviert und auf sehr hohem Niveau zu trainieren. 

Du hast über die olympische Distanz alles erreicht. Sehen wir dich schon bald auf der Ironman-Distanz? Was würde das für dein Training bedeuten?

Ich habe noch nicht entschieden, wie es nach den Olympischen Spielen in Rio weiter gehen wird. Ein Wechsel zur Langdistanz würde sicher heissen, dass der Umfang auf dem Rad grösser werden würde, jener im Schwimmbecken etwas kleiner. Es wären einige längere Einheiten nötig, grundsätzlich würde sich aber nicht allzu viel in meinem Training ändern. Ich trainiere oft mit Langdistanzathleten in meiner Trainingsgruppe, die Trainingsphilosophie ist ähnlich, nur eben die Trainingszeit in den jeweiligen Disziplinen etwas anders verteilt.