Interview mit Patrick Wieser

5. Juli 2016

Patrick Wieser stand für die Schweiz an den Europameisterschaften in Zürich im Marathon im Einsatz. Ein Jahr später an den Berglauf-Weltmeisterschaften in Zermatt. Der Thurgauer ist erfolgreich, egal, ob die Strecke flach ist oder bergauf führt.  

Du hast viele Erfolge auf der Strasse und an Bergläufen feiern können. Wie sieht dein Training aus? Trainierst du spezifisch oder reicht deine Grundkondition aus, um die Spezialisten zu schlagen?  

Grundsätzlich fokussiere ich mich im Frühling auf einen flachen Marathon und während den restlichen Monaten auf Bergläufe. Ich erarbeite mir also den Grundspeed im Frühjahr und spezialisiere mich danach hinsichtlich Bergläufe.

Da ich im Flachland wohne, kann ich in meinem gewohnten Trainingsgelände kein richtiges Berglauftraining machen. Ich baue aber ganzjährig bewusst coupierte Dauerläufe und Hügelläufe in mein Training ein und fahre, wenn es die Zeit erlaubt, irgendwohin, wo ich 30 bis 45 Minuten am Stück hochlaufen kann. In der Regel pflege ich bei diesen Trainings auch runterzulaufen, weil ich darin einen wichtigen Trainingsreiz sehe.

Welches sind deine wichtigsten Tipps für einen erfolgreichen Berglauf?  

Wille, Ehrgeiz und die Liebe zum Berglauf stehen im Vordergrund. Dann sind die folgenden Punkte wichtig:

  • Wenn es nicht mehr schneller geht, einfach weitergehen. Man sollte nie aufgeben und das Ziel aus den Augen verlieren.
  • Längere An- und Abstiege ins Training einbauen, um das Herz-Kreislauf-System sowie die Muskulatur auf die Belastung vorzubereiten.
  • Schritt für Schritt an die Belastung herantasten, indem man zum Beispiel einen kurzen Anstieg von 2 Kilometern mehrmals nacheinander absolviert und in den folgenden Wochen den Anstieg verlängert.
  • Das Laufen auf unebenem Untergrund üben. Wer technisch auf der Höhe ist, kann seine Leistungsfähigkeit besser entfalten.

Du arbeitest 100% als Polizist und musst stets den Spagat zwischen Training und Erholung machen. Wie organisierst du dich in deinem Trainings- und Arbeitsalltag, damit weder das eine noch das andere zu kurz kommt? Und welches sind deine wichtigsten Tipps für alle berufstätigen Hobbyläufer, um alles unter einen Hut zu bringen?  

Die Arbeit gibt mir die nötige Struktur. Das Training plane ich darum herum. In meinen Augen ist entscheidend, dass man sich zu seinem Hobby, beziehungsweise seinem Ziel committed und dann den Weg konsequent geht, was heisst, dass man den Willen aufbringt, das Training in den Vordergrund zu stellen. Dies sind meine Tipps:

  • Setz dir ein konkretes Ziel und plane die Trainings fix in deinen Wochenplan ein. So hast du die Gewissheit, dass du genügend trainierst für dein Ziel.
  • Morgenstund hat Gold im Mund. Wer das Training vor der Arbeit macht, ist den ganzen Tag gut gelaunt.
  • Schalte während dem Tag mindestens ein Mal 10-15 Minuten ab und tanke Energie. Das gibt eine gute Balance.

Eine gute Wettkampfeinteilung ist der Schlüssel zum Erfolg. Wie teilst du deine Rennen ein? Welches sind deine Tipps für die Läuferinnen und Läufer?  

Da ich meistens um den Sieg mitlaufen kann, passe ich das Rennen zu einem grossen Teil meinen Gegnern an. Ich versuche jeweils meine Stärken auszuspielen und laufe deshalb bei Bergläufen auf der Fläche verhältnismässig schnell.

Wer nicht um den Sieg mitläuft, dem empfehle ich, dosiert zu starten, das Rennen gut einzuteilen und gerade bei Bergläufen die Natur, die Kulisse und die Zuschauer zu geniessen.

In Sachen Verpflegung sollten im Wettkampf keine Experimente gemacht werden. Alles sollte vorgängig im Training getestet werden.