Interview mit Nina Derron

14. August 2018

Nina, Michelle und Julie – Die drei Derron-Schwestern stehen für Triathlon. Während Michelle und Julie auf der olympischen Distanz die olympischen Spiele 2020 anpeilen, konzentriert sich Nina auf die Langdistanz. Ihr Ziel ist der Ironman auf Hawaii.

Drei Schwestern, eine Sportart. Erzähle uns, wie viel ihr (wenn überhaupt) gemeinsam trainiert und in welcher Form ihr euch unterstützt.

Da wir alle drei zusammenwohnen und auch alle noch in Zürich studieren, absolvieren wir das tägliche Schwimmtraining fast immer gemeinsam, meistens frühmorgens. Das Lauf- und Radtraining sieht bei uns allen etwas anders aus. Bei Julie gibt es zum Beispiel öfters kürzere Intervalle, bei mir steht eher auch mal eine lange Radausfahrt auf dem Programm. Deshalb machen wir diese Einheiten meistens getrennt.

Früher haben wir auch im Training öfters versucht schneller oder besser als die andere Schwester zu sein. In der Zwischenzeit haben wir gelernt, dass es wichtiger ist, einander zu motivieren und das Training als Team zu absolvieren.

Ausserdem sind wir beste Freundinnen und erzählen uns so ziemlich alles. Wenn wir Zeit haben trinken wir oftmals nach dem Schwimmtraining einen Kaffee zusammen oder massieren uns abends gegenseitig, damit wir wieder fit sind für den nächsten Tag.

Während sich Michelle und Julie auf die Kurzdistanz konzentrieren, gilt dein Augenmerk der Langdistanz. Was macht für dich den Reiz dieser mehrstündigen Belastung aus? Welches sind die grössten Herausforderungen?

Als Juniorin habe ich auch Wettkämpfe auf der Kurzdistanz absolviert. Nach einer langwierigen Verletzungspause dachte ich eigentlich schon ans Aufhören. Dann habe ich mich 2015 „zum Spass“ für den Halbironman in Rapperswil (70.3 Rapperswil) angemeldet. Ich liebte es auf dem Rad Vollgas zu geben und nicht in einer Gruppe, wie es auf der Kurzdistanz üblich ist, zu fahren. Seither bin ich auf der Langdistanz unterwegs. Zusammen mit meiner Trainerin Susie Langley haben wir dann entschieden bereits 2016 die Profi-Lizenz für die Langstreckenrennen zu lösen. In den letzten zwei Jahren habe ich sehr viel dazugelernt und mich stetig verbessert.

Einerseits bereitet mir das Training für die Langdistanz viel Freude, andererseits fordert es mich aber auch körperlich und mental sehr stark. Sowohl im Training, als auch im Wettkampf spielt sich viel im Kopf ab und man muss Strategien entwickeln, wie man die Distanz überwinden kann. Es motiviert mich zu sehen, wie ich mich verbessern kann und wie weit ich es bringen kann.

Anders als andere Triathletinnen auf deinem Niveau, bist du nicht als Profi unterwegs, sondern absolvierst an der ETH Zürich ein Studium in Gesundheitswissenschaften und Technologie. Wie sieht dein Trainingsalltag aus? Wie schaffst du es, Studium und Sport unter einen Hut zu bringen?

Nach dem Bachelor in Gesundheitswissenschaften und Technologie, befinde ich mich nun im Master „Biomedical Engineering“ an der ETH Zürich. Momentan schreibe ich meine Masterarbeit in einem Labor an der ETH. Das erste Training beginnt bei mir meistens um 6:30, danach arbeite ich bis 16 oder 17 Uhr und absolviere dann ein zweites Training, oder aber ich mache eine längere Mittagspause und gehe aufs Laufband im Sportzentrum der ETH oder ins Hallenbad für ein Schwimmtraining. Es ist nicht einfach beides zu kombinieren, jedoch zwingt es einen auch, sehr effizient zu sein und sich im Training zu 100% aufs das jeweilige Training zu konzentrieren und das Beste rauszuholen. Ausserdem hat man keine Zeit zu viel über anstehende Rennen nachzudenken, was auch nicht immer schlecht ist. :)

Dennoch geniesse ich es auch, so wie jetzt im Trainingslager in St. Moritz, wie ein Voll-Profi zu trainieren und vor allem mehr Zeit für die Erholung zu haben.

Viele Hobbysportler haben das Ziel, einmal im Leben an einem Triathlon zu starten. Welches sind deine drei wichtigsten Trainingstipps, damit es klappt?

  1. Am besten setzt man sich schon zu Beginn ein Ziel. Wenn ich einen bestimmten Wettkampf vor mir habe, motiviert mich das immer sehr. In der Schweiz gibt es zahlreiche Einsteiger-Wettkämpfe. Als ersten Triathlon ist es wahrscheinlich gut eine Short- oder Sprint-Distanz zu absolvieren, und nicht gerade mit einem Ironman einzusteigen. 
  2. Scheut Euch nicht davor schwimmen zu gehen! Ja, der Schwimm-Anteil ist im Wettkampf zeitlich gesehen der kürzeste, jedoch braucht Schwimmen mit Abstand am meisten Training, um sich zu verbessern. Ausserdem hilft einem das Schwimmen auch Stabilität und Kraft für die anderen beiden Disziplinen zu gewinnen. Für Anfänger ist es sehr hilfreich mit einem „Pull-buoy“ zu trainieren. Dieser hilft einem, eine gute Wasserlage zu erreichen.
  3. Gönnt Euch genügend Erholung! Gerade wenn man mit einer neuen Sportart beginnt, möchte man sich möglichst schnell verbessern und trainiert vielleicht zu viel, wodurch schnell Verletzungen entstehen können. Oftmals hilft es nach einer harten Einheit, zum Beispiel einem Intervall-Training auf der 400m-Bahn, am Abend eine kurze Rad-Einheit einzulegen, das heisst 30-45min einfach die Beine lockern.

Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst? Einen Trainings-, Ernährungs- oder Erholungstipp zum Beispiel?

Ganz ehrlich glaube ich nicht, dass es im Triathlon einen Geheimtipp gibt. Erfolg entsteht aus viel harter Arbeit über einen längeren Zeitraum. Am wichtigsten ist es, geduldig zu sein. Man darf nicht vergessen, dass man nicht gleichzeitig in allen drei Disziplinen besser werden kann. Manchmal läuft es beim Schwimmen besser, manchmal beim Radfahren oder Laufen. Ausserdem ist es wichtig, nie den Spass am Training zu verlieren und kleine Erfolge zu geniessen.

Bezüglich Ernährung bin ich der Meinung, dass eine ausgewogene Ernährung der „goldene Schlüssel“ ist. Jeder Mensch ist anders und jeder muss herausfinden, was für ihn stimmt. Für ein bisschen extra Energie oder Motivation oder auch als Belohnung mag ich alles mit schwarzer Schokolade sehr. 

Um kleine Verspannung zu lösen, benütze ich oftmals eine „Black-Roll“ oder aber „zwinge“ meine Schwestern, mich mit Arnika-Massageöl zu massieren.