Interview mit Philipp Koutny

20. November 2018

Im Schatten von Ronnie Schildknecht und Jan van Berkel hat sich mit Philipp Koutny ein weiterer Schweizer Profi-Triathlet entwickelt. Mit 8:01.18 errang der Zürcher beim Ironman Tallinn einen ersten Sieg in einem Ironman-Rennen und qualifizierte sich damit für die Ironman World Championships auf Hawaii! Nota bene mit der zweitschnellsten Zeit, die jemals ein Schweizer erzielte. 

Bereits in deinem dritten Jahr als Profi konntest du dich für die Weltmeisterschaften auf Hawaii von Anfang Oktober qualifizieren und wurdest ausgezeichneter 15.! Welches sind für dich die wichtigsten Schlüssel zum Erfolg?

Ich denke es ist auf der Triathlon Langdistanz oder allgemein im Ausdauersport sehr wichtig, eine Konstanz in sein Training zu bringen, sprich, wenn es gut läuft nicht zu übertreiben und wenn es mal nicht so nach Wunsch läuft, dem Körper die nötige Ruhe zu geben, die er zur Erholung und Anpassung braucht. Eine verletzungs- und krankheitsfreie Vorbereitung auf einen Event ist entscheidend!

Als Age-Grouper hast du noch 100% gearbeitet. Nun konzentrierst du dich voll und ganz auf Triathlon. Wie sieht der Tagesablauf eines Profi-Triathleten aus? 

Ich trainiere ca. 30 Stunden in der Woche, meistens jede Disziplin einmal am Tag. Es gibt jedoch auch Tage, an denen ich 2x laufe und dann nur noch locker schwimme, oder Tage, an denen es halt nur eine lange Radausfahrt gibt. Ganz allgemein ist Abwechslung im Trainingsalltag enorm wichtig für den Kopf und den Körper.

Wenn es der Zeitplan erlaubt, pflege ich einen Mittagsschlaf zu halten, der je nach Ermüdungszustand zwischen 30 und 90 Minuten dauert. Daneben achte ich auf eine ausgewogene Ernährung und gehe regelmässig in die Massage.

 

Welches sind die neuen Herausforderungen im Wettkampf bei den Profis? Wie hast du die Taktik und dein Training darauf angepasst?

Bei den Profis wird halt mehr direkt aufeinander geschaut. Es ist weniger wie im Age Group-Rennen, dass jeder sein Ding macht und nach seinen Watt fährt. Bei den Pros musst du dich beispielsweise auf dem Rad in einer Gruppe entscheiden ob du das Tempo mitfahren willst und zu welchem Preis. Da muss man halt taktisch abwägen, was in der Situation Sinn macht oder eben nicht. Überpacen auf dem Rad für meist zu einem Wandertag auf dem Marathon.

Welches sind deine wichtigsten Tipps für einen erfolgreichen Wettkampf? Und welches jene für eine schnelle Regeneration?

Tipps für einen erfolgreichen Wettkampf:

  • Sich an seine eigene (Pacing) Strategie halten  
  • Einen soliden Verpflegungsplan bereit haben 
  • Spass haben und nicht zu verbissen an die Sache ran gehen

Tipps für eine schnelle Regeneration:

Unbedingt nach dem Wettkampf ausfahren oder auslaufen. Nach einer Langdistanz sich am nächsten Tag bewegen, sei es auf dem Rad oder im Wasser.

 

Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst? 

Der Trend, dass man jedes Training, jede Bahn im Pool, sämtliche Wattwerte aufzeichnet, kann einem ein wenig die Lust an der Bewegung nehmen. Insbesondere wenn die Werte nicht so sind, wie sie sein sollten, kann das demotivierend wirken. Darum: Einfach mal ohne Uhr im Pool schwimmen oder ohne Pulswerte laufen und so sich mehr auf das eigene Gefühl verlassen.