Interview mit Joris Ryf

24. April 2018

Im Schatten von Schurter, Flückiger und Vogel wächst ein neues Schweizer Biker-Juwel heran: Der 21-jährige Bieler Joris Ryf fährt seine zweite Saison als Profi und hat dieses Jahr mit dem Snow Bike Festival in Gstaad bereits ein internationales Rennen gewonnen.

21 Jahre alt und als Mountainbike-Profi unterwegs. Kannst du uns berichten, wie deine Tage mit Training, Erholung und sonstigen Verpflichtungen aussehen?

Ich achte auf einen konstanten Rhythmus, weil dies in meinen Augen ein Schlüssel zum Erfolg ist. So stehe ich in der Regel zwischen 7 und 7:30 Uhr auf und frühstücke. Danach erledige ich administrative Aufgaben wie zum Beispiel Mails mit Sponsoren oder Veranstaltern oder Organisation von Hotels für die Rennen. Circa um 9:30 Uhr absolviere ich die erste von zwei Einheiten. Diese ist in der Regel intensiv und mit meinem Wettkampfgerät, dem Mountainbike. Im Anschluss ans Training koche ich das Mittagessen für meine Eltern, meine Schwester und mich.

Vor dem zweiten Training, das circa um 14 Uhr startet und ich mit dem Rennrad durchführe, gönne ich mir Erholung. Mal schlafe ich, mal lese ich eine Weile. Steht keine zweite Einheit auf dem Plan, pflege ich mein Material oder habe ich Termine mit Sponsoren.

Am Abend koche ich wiederum für die ganze Familie und habe danach nochmals Zeit für Erholung mit Blackroll, Stretching und sonstigen regenerativen Massnahmen. Um 22 Uhr gehe ich ins Bett. Vorher wird noch alles geplant, so dass ich weiss, was am nächsten Tag ansteht.

Der weitere Verlauf deiner Karriere ist an erfolgreiche Resultate gebunden. Wie gehst du mit Druck und Nervosität um? Welche Tipps hast du allenfalls für Hobbysportler auf Lager, die vor ihrem Rennen ebenfalls mit Nervosität zu kämpfen haben?

Dass ich diesen Weg überhaupt gehen kann, verdanke ich meinen Eltern, meinen Sponsoren und dem WHEELER Pro Team. Dem Druck bin ich mir bewusst. Er gehört aber ganz einfach zu diesem Beruf dazu, wobei man sagen darf, dass man mit der Zeit lernt damit umzugehen. 

Druck ist für mich aber auch ein Ansporn, täglich mein Bestes zu geben. Nervös bin ich in der Regel am Anfang der Saison, wenn ich noch nicht genau weiss, wie es um meine Form steht. Doch dies bessert sich mit jedem Rennen. Und wenn während der Hauptsaison praktisch jedes Wochenende ein Rennen ansteht, kommt Routine auf und die Nervosität lässt definitiv nach.

Den Druck senken und Sicherheit geben kann mir zudem die Vorbereitung. Meine vielen erfolgreich durchgeführten Trainings sorgen dafür, dass ich Vertrauen in meine Fähigkeiten kriege.

Meine Tipps für alle Hobbysportler: 

  • Eigene Rituale pflegen: Mach vor dem Start immer alles gleich, so wie du dir dies gewohnt bist
  • Gewohntes Umfeld mit dabei haben:  Ein Betreuer zum Beispiel aus der Familie gibt dir Sicherheit 
  • Detaillierte Planung: Mach einen genauen Plan für die Anreise, den Wettkampfort, das Essen und alles andere, was du beeinflussen kannst

Welches sind in deinen Augen die wichtigsten drei Punkte, die zum Erfolg führen?

  1. Spass an dem, was man macht. Das hilft, zum Beispiel auch Phasen mit Kälte und Nässe gut zu überstehen
  2. Die Unterstützung des Umfelds. Ohne meine Familie wäre dieser Weg zum Beispiel nicht möglich gewesen
  3. Das Ziel zu haben, das perfekte Rennen zu fahren. Dazu sind ein starker Wille und Ehrgeiz nötig

Viele Mountainbiker haben sich dieses Jahr für ein Rennen angemeldet. Welches sind deine drei Tipps für die Vorbereitung und für das Rennen?

Tipps für die Vorbereitung:

  1. Sorge dafür, dass dein Material perfekt eingestellt und bereit ist für das Rennen
  2. Bereite dich auf die Strecke vor, so dass du beispielsweise weisst, wann Steigungen anstehen oder wo die Verpflegungsposten sind
  3. Setze dir früh genug ein Ziel und bereite dich gezielt darauf vor. In der letzten Woche sollte das Gefühl da sein, dass du alles richtig gemacht hast und nicht, dass du noch etwas aufholen müsstest 

Tipps für das Rennen:

  1. Sei dir bewusst, welche Stärken und Schwächen du hast und setze diese entsprechend ein
  2. Leg ein grosses Augenmerk auf die Verpflegung. Richte dir zum Beispiel einen Reminder auf deinem Radcomputer ein, damit du die Verpflegung in der Hektik des Rennens nicht vergisst
  3. Teile dein Rennen gut ein. Während bei Cross Country Rennen der Start entscheidend ist, hast du bei einem Marathon viel Zeit. Wer schnell startet, büsst in der Regel schwer dafür

Gibt es einen Geheimtipp, den du uns preisgeben kannst? Einen Trainings-, Ernährungs- oder Erholungstipp zum Beispiel.

Es ist das Zusammenspiel, das zählt. Nicht nur das Training ist wichtig, sondern auch die Ernährung und die Erholung. Wer die Balance zwischen diesen drei Bereichen herstellen kann, ist erfolgreich.

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