Trendige Ketonkörper

8. Januar 2020

Extreme High-Fat-Diäten bzw. Low-Carb-Strategien erleben in Sportlerkreisen Hochkonjunktur. Das rückt auch Ketonkörper in den Fokus.

 

Bei Ausdauerleistungen fokussierte sich die Forschung lange vor allem auf die Energiebereitstellung und auf die Verfügbarkeit von Kohlenhydraten. Später forschte man zur Verbesserung der Fettoxidation und der Zufuhr von Fettsäuren als alternative Energiequelle, um die Glykogenspeicher zu schonen.

Ein weiterer Energielieferant sind Ketonkörper. Sie entstehen im Körper bei einer extremen Restriktion der Kohlenhydratzufuhr (weniger als 50 Gramm Kohlenhydrate pro Tag) und dienen der Hirn und Skelettmuskulatur als Energiequelle. Wenig verwunderlich daher, dass viele Athleten und Trainer daraus die Strategie ableiten, Ketonkörper als zusätzliche Energielieferanten einzusetzen. Und ebenso logisch, dass aufgrund der potenziell positiven Effekte die Sportnahrungsindustrie die Ketonkörper entdeckt hat und eine Vielzahl von Produkten anbietet, mit denen man dem Körper Ketonkörper von aussen zuführen kann.

Grund genug für die Swiss Sports Nutrition Society (www.ssns.ch), die aktuellsten Forschungsergebnisse unter die Lupe zu nehmen und die bisherigen Erkenntnisse zu häufig diskutierten Punkten wie folgt zusammenzufassen:

  • Ketonkörper allgemein: Ob Ketonkörper als alternative Energiequelle durch orale Zufuhr genützt werden können, ist unklar.
  • Kohlenhydratoxidation: Eine diskutierte Reduktion der Kohlenhydratoxidation während einer sportlichen Belastung bei gleichzeitiger Zufuhr von Ketonkörpern ist unklar wie auch der Glykogen-Spareffekt. Eine verbesserte Wiederauffüllung der Glykogenspeicher ist möglich.
  • Fettoxidation: Das verminderte Zirkulieren von freien Fettsäuren führt möglicherweise zu einer Reduktion der Fettoxidation und zu einem verbesserten Verbrauch von intramuskulären Fettsäuren.
  • Erholung: Ketonkörper können möglicherweise die Erholungsphase nach einer Belastung verbessern und das Wiederauffüllen der Glykogenspeicher begünstigen.
  • Limitationen: Die Wirkung auf das Gehirn ist unklar, allenfalls können Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich auftreten. Ebenfalls unklar ist die Dosierung, und auch das Timing ist nicht erforscht. Der Effekt der gleichzeitigen Zufuhr von Kohlenhydraten auf die Wirkung der Ketonkörper ist nicht geklärt.

Fazit: Ketonkörper scheinen die Fähigkeit zu besitzen, unseren Energiemetabolismus und den Substratverbrauch zu beeinflussen. Ob dieser Effekt unter Belastung auch tatsächlich Glykogen sparen lässt und ob sich dadurch die sportliche Leistung verbessert oder im hochintensiven Bereich sogar verschlechtert, scheint noch nicht geklärt zu sein. Die spärliche Anzahl an wissenschaftlichen Studien ist zu wenig aussagekräftig und zu gering in der Zahl, um den Einsatz von Ketonkörpern als Supplement zu empfehlen.

Für wen eine kohlenhydratreduzierte Ernährung in der Praxis sinnvoll sein kann, liest du hier.

 

 

Foto:iStock.com