Interview mit Johannes Berndl

7. Februar 2017

Johannes Berndl startete seine Radsportkarriere als Junior und überzeugte stets als exzellenter Bergfahrer. Mit 18 Jahren gewann er auf Anhieb seine erste Tour-Transalp, das spektakulärste Rennradetappenrennen Europas für Jedermänner. Seither reiht er Sieg an Sieg bei Volksradrennen.

Du warst als junger Rennfahrer schon sehr erfolgreich und hast dich gegen ältere, erfahrenere Kaliber bei grossen Volksradrennen durchgesetzt. Welches sind in deinen Augen die wichtigsten drei Punkte, die dich zu diesen Erfolgen führten?

Von unzähligen Aspekten, welche meiner Meinung nach bei jedem Leistungssport ineinandergreifen, mache ich folgende drei Punkte für meine Erfolge verantwortlich:

  • Konkrete Ziele vor Augen haben
  • Konsequenz: Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, dann trainiere ich konsequent daran um meinen „Plan“ zum Erfolg abzuarbeiten
  • Ausgewogenheit der drei Säulen Sport, Beruf und Privates. Nur wenn diese drei Dinge im Gleichgewicht stehen, kann ich mit meinen Leistungen zufrieden sein. Also setze ich nicht nur den Sport an erste Stelle, sondern alles zu seiner Zeit.

Ohne Fleiss kein Preis. Kannst du uns aufzeigen, welche Trainingsformen bei dir zur Anwendung kommen, und auf was du dabei besonders achtest? Wie sieht zum Beispiel eine „normale“ Trainingswoche aus bei dir?

Eigentlich bin ich kein „Kilometerfresser“ und "Vieltrainierer“. Bei mir sind mehr die entscheidenden Einheiten zum richtigen Zeitpunkt der Schlüssel zum Erfolg. Aber bis zu den ersten Rennen trainiere ich viel im Grundlagenbereich und achte vor allem streng auf eine eine kohlenhydratarme und gesunde Ernährung für zweimal vier Wochen in der Vorbereitung. Ich nehme erst dann wieder mehr Kohlenhydrate zu mir, wenn intensivere Einheiten oder Rennen dazukommen. Ansonsten versuche ich im Vierwochenrhythmus verschiedene Trainingsschwerpunkte zu setzen und wiederhole diese zweimal im Jahr, sodass der Körper ständig neue Reize erfährt und nicht nur das trainiert, was er eh schon gut kann.

Im Sommer schaut eine Woche also so aus, dass ich am Montag meistens einen Ruhetag mache dann zwei Tage Grundlagentraining mit gezielt kurzen Reizen, donnerstags eine etwas intensivere Einheit, am Freitag Pause und am Tag vor dem Rennen eine bis zwei Stunden Vorbelastung.

 

 

 

Viele Hobbyradfahrer starten an Volksrennen. Welches sind deine wichtigsten Tipps für eine erfolgreiche Vorbereitung einerseits und für ein erfolgreiches Rennen anderseits?

Ich denke, dass es für die meisten Hobbyfahrer nicht immer unbedingt notwendig ist, unzählige Kilometer zu fahren. Für viele wäre es gewinnbringender, gezielte und vor allem verschiedene Einheiten zu trainieren (neue Reize setzen und für Abwechslung sorgen). Diese müssen nicht unbedingt sehr lange sein, dafür idealerweise ein Kontrastprogramm für die Stabilisation des Körpers beinhalten.

Ein weiterer entscheidender Punkt, bei dem ich glaube, dass viele das Potential nicht ausschöpfen, ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Gerade bei weniger Training liegt hier ein ganz entscheidender Faktor, um die Fettverbrennung zu optimieren und seine Grundlagenschwelle weiter nach oben verschieben zu können.

Für ein erfolgreiches Rennen denke ich, ist vor allem eine gewisse innere Ruhe und Gelassenheit sehr wichtig. Gerade in der Früh beim Montieren der Startnummer sehe ich immer viele hektische Gesichter. Einfach versuchen die Nervosität der andern nicht auf sich selbst zu übertragen. Ich denke gerade hier und im Rennen ist es wichtig, auf seine Stärken zu Vertrauen und nicht einerseits alle möglichen Szenarien durchzuspielen, aber auch nicht auf versäumtes Training zurückzublicken. Das ist jetzt der falsche Zeitpunkt.

Es lohnt sich, die grossen Ziele mit einem langfristigen Trainingsaufbau anzugehen. Welches sind deine Tipps für die Hobbyradfahrer für den Saisonaufbau?

Folgende Punkte sind meiner Meinung nach für Jedermann für einen gelungenen Saisonaufbau entscheidend:

  • Gesunde und kohlenhydratarme Ernährung kombiniert mit Grundlagentraining (am besten auf der Rolle) über den Winter
  • Trainingsabwechslung
  • Also Krafttraining, Köperstabilisationsübungen, Yoga, etc...
  • Ausgleichsportarten wie Laufen, Skilanglauf oder Touren gehen...

Eine gesunde Balance zwischen Be- und Entlastung finden. Viele, die zahlreiche Überstunden im Büro machen, können zum Ausgleich nicht immer viele Stunden trainieren. Hier ist weniger oft mehr, bzw. kurze gezielte intensive Einheiten statt lange Grundlageneinheiten.

 

 

 

Foto: ZVG